Empowerment

Nimm dein Leben in die Hand!

In diesem Abschnitt geht es um den Kern der Homepage: dem Thema Empowerment.

Dieser Begriff stammt aus dem Bereich der sozialen Arbeit in Nordamerika und bedeutet wörtlich übersetzt so etwas wie „Befähigung“ oder „Ermächtigung“. 

Definiert wird es auf Wikipedia folgendermaßen: 

„Mit EMPOWERMENT (…) bezeichnet man Strategien und Maßnahmen, die den Grad an Autonomie und Selbstbestimmung im Leben von Menschen oder Gemeinschaften erhöhen sollen und es ihnen ermöglichen, ihre Interessen eigenmächtig selbstverantwortlich und selbstbestimmt zu vertreten.“ 

(Copyright Wikipedia, Zugriff am 24.04.2020, Empowerment)

 

Es geht also darum, nach vorne zu schauen, das Heft (wieder) in die Hand zu nehmen und für sich selbst die Verantwortung zu übernehmen. 

 

Vielen Menschen denen ich begegnet bin, fällt dies im Alltag schwer: sie stehen nicht für ihre Bedürfnisse ein oder lassen sich von den Kollegen übergehen. In der Schlange im Supermarkt werden sie überholt oder sie überlassen ihre Entscheidungen ihren Partnern oder der Familie.

Diesen EMPOWERMENT Prozess zu unterstützen ist das Ziel mit dieser Homepage. Im Folgenden wird dies im Detail näher beleuchtet und mit Hilfe eines Beispiels aus der Rehabilitation nach Querschnittlähmung aufgezeigt. Viel Spaß beim Lesen!

 

 

Das Konzept

Nur derjenige, der sich selbst liebt, kann Verantwortung für sein Leben übernehmen und damit frei sein von Angst und Ungewissheit. Um wieder Autonomie im Leben zu erreichen, musst du und dein Umfeld viele neue Dinge erlernen. Ich möchte dich dabei unterstützen und habe mir folgenden Weg dafür überlegt:

Erstens möchte ich dir Wissen zum Thema Querschnittlähmung vermitteln. Erst wenn man versteht, worauf eine Rückenmarksverletzung alles einen Einfluss hat, kann man dies im Alltag berücksichtigen. Ein Beispiel: Wenn man nicht weiß, dass das Sitzen im Rollstuhl in immer derselben Position eine Druckstelle hervorrufen kann, wird man auch nicht auf die Idee kommen, seine Position zu verändern. So einfach ist das. Auf der Seite Basics erhaltet ihr einen Rundum-Blick über das Thema Querschnittlähmung.

 

Zum Zweiten musst du die Skills also die Fähigkeiten erlangen, um die vor dir liegende Aufgabe zu bewältigen. Dies bedeutet auf der einen Seite körperliche Fähigkeiten zu erlernen, wie zum Beispiel das Hochstützen im Rollstuhl. Das wäre ein sogenannter hard skill. Genauso wichtig sind Dinge wie eine gute Kommunikation, die als soft skill bezeichnet werden. Also in unserem Beispiel, jemanden dazu anzuleiten bei der Entlastung im Rollstuhl zu assistieren. Beide Kompetenzen sind wichtig, um Verantwortung für sich und seinen Körper übernehmen zu können. In der Kategorie Therapie & Training findest du Ideen für dein Training zu Hause oder auch mit der Physiotherapie und Ergotherapie zusammen.

 

Zum Dritten bestimmt Motivation grundlegend unser Handeln. Warum sollte ich selbst Verantwortung für mich übernehmen, wenn mein Alltag es überhaupt nicht verlangt?! Schau‘ mal in der Kategorie Raus aus dem Haus vorbei. Dieser Abschnitt soll euch zeigen, dass ein selbstbestimmtes Leben sich viel sicherer und besser anfühlt und zugleich auch mit einem enormen Freiheitsgewinn verbunden ist.

https://www.querschnittleben.de/empowerment/

Werde dir deiner 3 Säulen BEWUSST und EMPOWER dich!

Die Herausforderung

Nach einem einschneidenden Lebensereignis wie eine Querschnittlähmung ist es noch einmal schwieriger, wieder für sich selbst die Entscheidungen zu treffen. Der ganze Körper hat sich verändert. Man muss erst einmal mit sich selbst wieder ins Reine kommen und wieder lernen, sich zu akzeptieren und zu lieben, wie man ist. Wichtig ist dabei festzuhalten, dass auch derjenige, der Hilfe von anderen Menschen für Alltägliches benötigt, die Kontrolle über sich selbst behalten kann. Hilfe zu benötigen bedeutet nicht, dass andere für das eigene Wohl verantwortlich sind. 

Stefan* zeigt dir in seiner Erstrehabilitation nach Querschnittlähmung, wie sich über die Zeit die verschiedenen Komponenten des EMPOWERMENTS entwickeln können.

Aller Anfang ist schwer

 

Stefan ist seit 2 Wochen bei uns in der Klinik. Er ist bei einem Mountainbike-Ausflug gestürzt und mit dem Rücken auf einen Stein geprallt. Er kommt gerade von der Intensivstation zu uns in die Reha-Abteilung nachdem die Beatmung beendet werden konnte. Stefan kann sich nicht selbstständig drehen im Bett. Auch das Trinken fällt ihm noch schwer und man kann ihm ansehen, dass ihm Alles noch unglaublich viel Energie kostet. Ich als Physiotherapeutin komme zu Stefan und fange an, die neurologischen Funktionen, u.a. das Gefühl und die Muskelkraft, mit Hilfe eines Tests systematisch zu untersuchen. Dabei setzt sich Stefan zum ersten Mal ganz intensiv mit seinem veränderten Körper auseinander.

Die Diagnose einer kompletten Querschnittlähmung ist ein Schock. Der ganze Körper ist anders, das Leben ist auf den Kopf gestellt. Es kommen Fragen auf: Wie lange dauert es, bis ich wieder meine Beine bewegen kann? Wann kann ich wieder laufen? Was wird aus meinem Job, Haus, Familie und Freunden? 

Eine schwierige Situation, in der sich Stefan und viele andere befinden. Das Trauma reißt ihn aus seinem Leben und zwingt ihn, auf die Hilfe von Anderen angewiesen zu sein.

Stefans Fähigkeiten auf seinem Weg zur zur Selbstbestimmung und EMPOWERMENT:

Empowerment
Empowerment 1%

Motivation
Motivation 28%
Skills
Wissen 8%
Wissen
3%
https://www.querschnittleben.de/empowerment/

Stefan hat im Moment wenig Autonomie und kann keine Selbstbestimmung ausüben. Er kann die Prozesse um ihn herum nicht beeinflussen. Nun spielt aus meiner Sicht spielt eine professionelle Begleitung in dieser Situation eine entscheidende Rolle. 

 

Das Ziel aller beteiligten Berufsgruppen richtet sich darauf, Stefan zu unterstützen, um aus dieser Situation wieder herauszukommen und ihn zu befähigenden, das Leben mit dieser Erkrankung wieder in den Griff zu bekommen. Hier eine kleine Übersicht beteiligter Berufsgruppen: 

  • Die Gesundheits- und Krankenpfleger/-schwestern helfen ihm bei grundlegenden Tätigkeiten und erklären dabei ganz viele verschiedene Dinge von Hautpflege bis Darmmanagement.
  • Mediziner erklären die Diagnose, führen Aufklärungsgespräche mit den Angehörigen, kontaktieren bei Bedarf andere Fachärzte, Monitoren die Medikamente und überwachen den gesamten Rehabilitationsprozess.
  • Psychologen unterstützen die Verarbeitung des gesamten Trauma- und Rehaprozesses und können auch eine wichtige Anlaufstelle für Angehörige bei Fragen und Unsicherheiten sein.
  • Physiotherapeuten zielen auf eine Erhöhung der Selbstständigkeit ab, indem sie die Muskelfunktionen trainieren und Techniken erklären, um Bewegung zu ermöglichen oder wiederherzustellen. 
  • Ergotherapeuten kümmern sich um die Selbstständigkeit im Alltag wie z.B. sich wieder anziehen zu können, ins Auto einzusteigen oder auch die notwendigen Hilfsmittel für den Hausgebrauch zu ermitteln. 
  • Beim Sozialdienst geht es dann ans Eingemachte: welchen Grad des Empowerments hat der Patient erreicht? Wieviel pflegerische Unterstützung benötigt er? Wird eine Assistenz benötigt? Nach Beantwortung dieser Fragen wird ein Konstrukt erdacht, in welches Umfeld der Patient nach der Rehabilitation entlassen werden kann. 

Es gibt noch weitere Berufsgruppen, die an der Rehabilitation nach einer Rückenmarksverletzung beteiligt sind, doch eines ist klar: Alle streben mit ihrem Handeln danach, Menschen mit Querschnittlähmung die Verantwortungsübernahme für das eigene Leben wieder zu ermöglichen.

Es geht aufwärts...

Kommen wir also nun zurück zu Stefan, der sich zurück ins eigenverantwortliche Leben kämpft: 

Stefan, 2 Monate bei uns in der Klinik:

Stefan geht es mittlerweile besser. Er hat seine Energie zurückgewonnen. Seine Frau und seine 2 kleinen Söhne kommen regelmäßig vorbei und besuchen ihn. Das gibt ihm Kraft und Motivation. Sein Ziel ist es, ein cooler Rollstuhl-Daddy zu werden, der Klimmzüge mit dem Stuhl schafft. Bis dahin ist es noch ein langer Weg: Stefan kann zwar mittlerweile den Transfer mit dem Rutschbrett aus dem Bett selbstständig, aber die Kraft um den Transfer ohne das Brett machen zu können, hat er noch nicht. Deswegen ist auch der Transfer auf den Duschtoilettenstuhl noch ein großes Hindernis. Einschränkend sind dabei auch noch die Schmerzen im Rücken und zwischen den Schulterblättern von der ungewohnten Anstrengung. Stefan hat mit Hilfe der Pflege gerade das selbstständige kathetern erlernt. Die Ergotherapie trainiert gerade mit ihm, wie er sich alleine im Bett anziehen kann. Was ihm momentan auf dem Herzen liegt, ist der Umbau seines Hauses. Er will einen Treppenlift einbauen lassen, um alle seine Stockwerke im Haus erreichen zu können. Dabei ist er sehr dankbar für die Beratung und die Informationen, die er von seiner Ergotherpeutin erhält, auch wenn ihm abends der Kopf von den ganzen Informationen schwirrt.   

Fassen wir einmal zusammen, wie weit Stefan in seinem Prozess zur Selbstbestimmung und EMPOWERMENT bisher gekommen ist:

Empowerment
Empowerment 14%

Motivation
Motivation 100%
Skills
Wissen 13%
Wissen
10%
https://www.querschnittleben.de/empowerment/

Stefan ist bis in die Haarspitzen motiviert, so viel wie möglich von der Rehabilitation mitzunehmen und so selbstständig wie möglich zu werden. Sein Wissen zum Thema Querschnittlähmung befindet sich noch in den Kinderschuhen. Die grundlegendsten Basics, wie Kathetern, Lagerung, Druckstellen etc. hat er in der Theorie verstanden. An den soft skills, wie z.B. die Kommunikation mit der Pflege bezüglich Terminabsprachen hat er besonders in der Anfangsphase, wo er noch nicht selbstständig den Transfer machen konnte, viel gearbeitet. Er hat schnell festgestellt, dass unterschiedliche Menschen eine unterschiedliche Form der Ansprache benötigen, um Dinge miteinander zu besprechen. Dabei ist es ihm leicht gefallen, die Perspektive des anderen einzunehmen, Empathie zu zeigen und auch Leute für Unterstützung anzusprechen. Bezüglich der hard skills ist noch einiges an Training notwendig. Zwar kann Stefan sich selbstständig in den Rollstuhl setzen, aber Dinge wie z.B. Anziehen, Duschen und den Transfer ins Auto funktionieren nicht ohne Unterstützung. Trotzdem hat er in der Zeit enorme Fortschritte gemacht und alles ist auf einem guten Weg. 

Keep on Training!

Stefan entwickelt sich enorm weiter! Lies‘ was er in den letzten Wochen seiner Rehabilitation in der Klinik erreicht hat: 

Stefan* 4 Monate in der Klinik:

Stefan steht heute vor seiner Entlassung nach Hause. Er freut sich sehr auf seine Familie. Die Zeit in der Klinik kam ihm am Ende sehr lang vor, auch wenn er unermüdlich weiter gearbeitet hat. Mittlerweile benötigt er keine Hilfe von der Pflege mehr. Er kann sich selbstständig anziehen und auch das Blasen- und Darmmanagement funktioniert ohne Hilfe. Die Transfere kann er mittlerweile selbstständig, nur vom Boden in den Rollstuhl zu kommen ist noch ein Hindernis. Sein eigens für ihn gebauter Rollstuhl ist mittlerweile auch vom Sanitätshaus geliefert worden. Damit kann er auch Bordsteine draußen überwinden, fühlt sich aber noch nicht 100%ig wohl dabei. Der Treppenlift ist auch zu Hause eingebaut, sodass er sich selbstständig auf allen Etagen fortbewegen kann. Er hatte viel Besuch von Freunden in der letzten Zeit und man hat gehört, wie er versucht hat, seine Krankheit den anderen begreiflich zu machen. Er macht sich Sorgen um seinen Job. Auch wenn ihm die Firma Unterstützung versprochen hat, sieht er dies kritisch. Er freut sich aber jetzt erst einmal auf sein zu Hause mit seinen Kindern und ist zuversichtlich, dass er dort gut zurechtkommt. Er hat schon Kontakt mit einem Nachbarn aufgebaut, der zufälligerweise Handbikes baut. Das will Stefan unbedingt ausprobieren. Und auch die Klimmzüge mit Rollstuhl hat er nicht vergessen…

Autonomie voraus! Kurze Zusammenfassung von Stefans Fortschritte in der Rehabilitation:

Empowerment
Empowerment 68%

Motivation
Motivation 100%
Skills
Skills 71%
Wissen
Wissen 40%
https://www.querschnittleben.de/empowerment/

Stefan hat sich enorm weiterentwickelt in der letzten Zeit. Er hat seine hard skills verbessert, sodass er einiges an Handwerkszeug in der Hand hat, um Hindernisse in seinem Alltag zu überwinden. Er scheint die Einschränkungen seiner Erkrankung verstanden zu haben, da er z.B. beim Transfer sehr auf die Position seiner Beine achtet, auch wenn er sie nicht spüren kann. Allerdings gibt es noch sehr viele Details, die er noch nicht gelernt hat, bzw. die er nach der Reha einfach vergessen hat. Das weitere Wissen zum Thema Querschnittlähmung erlernt man erst im realen Leben, nachdem man das Rüstzeug dazu in der Klinik erhalten hat, um die gröbsten Anfängerfehler zu vermeiden. Aus diesem Grund ist die Kommunikation mit anderen Menschen mit Querschnittlähmung ein sehr wichtiges Thema, um sich für verschiedene Hindernisse die beste Strategie für einen selber zu überlegen.

 

Nach der Reha ist vor dem Leben...

Stefan wird voraussichtlich über die Zeit noch seinen Grad an Empowerment erhöhen können. Es stehen ihm noch viele unbekannte Herausforderungen gegenüber: der erste Urlaub in unbekannter Umgebung, ein feuchtfröhliches Dorffest, der Shoppingausflug mit der Familie oder der erste Sturz aus dem Rollstuhl. All diese Hindernisse muss er mit seinen erlernten Fähigkeiten überwinden. Wenn ihm dies gelingt, wächst das Vertrauen in seine eigenen Fähigkeiten und unterstützt den Weg in die Selbstbestimmung und in ein autonomes Leben. Ein wichtiger Faktor wird dabei sein, dass er sich traut, sich den Herausforderungen zu stellen und flexibel auf diese eingehen zu können. Aus meiner Sicht bedeutet Denn eine Querschnittlähmung bedeutet aus meiner Sicht anpassungsfähig zu bleiben, seine Fähigkeiten richtig einschätzen zu lernen und auch mal Hilfe annehmen zu können. 

Also: No excuses! Lass uns zusammen an deinem EMPOWERMENT arbeiten!

EMPOWERMENT

Gemeinsam stärker werden